Sicherer Rettungsdienst

RW

 

Rückenbelastung im Rettungsdienst

01 | Informationen

Situation im Rettungsdienst

Die Tätigkeit im Rettungsdienst ist geprägt durch Heben und Tragen schwerer Lasten, Zeitdruck, beengte Transportwege und ungünstige Körperhaltungen. Dies führt zu hohen Belastungen des Muskel-Skelett-Systems, insbesondere des Rückens. Durch die Zunahme schwergewichtiger Patientinnen und Patienten und das höhere Einsatzaufkommen ist künftig mit einer noch stärkeren Belastung zu rechnen. Das Heben und Tragen schwerer Lasten – insbesondere mit einer nicht ausreichend trainierten Rückenmuskulatur – vergrößert die Gefahr, Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems zu erleiden. Im höheren Alter kann dies zu einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit bis hin zu einer möglichen Berufsaufgabe führen.

Die folgenden Daten und Fakten geben einen Überblick und zeigen Auswirkungen der beschriebenen Situation im Rettungsdienst:

  • Nach einer Auswertung des Bundesamts für Statistik waren 2016 im Rettungsdienst ca. 64.000 Beschäftigte tätig.
  • Der Anteil der Frauen im Rettungsdienst beträgt nach der gleichen Erhebung ca. 30 %.
  • Nach einer Veröffentlichung von Nadler 07/2008 sind Beschäftigte im Rettungsdienst durchschnittlich nur 9 bis 10 Jahre in ihrem Beruf tätig
    (Nadler, G.: Berufszufriedenheit von Rettungsassistenten. In: Rettungsdienst 07/2008).
  • Der Anteil der über Sechzigjährigen im Rettungsdienst liegt 2016 laut Statistischem Bundesamt bei ca. 6 %.
  • In der Studie „Gesundheitsförderung im Rettungsdienst“ von Klewer und Dix aus dem Jahre 2009 gaben 69 % der Befragten an, unter Rückenschmerzen zu leiden (Studie von Klewer, J.; Dix, K.: Gesundheitsförderung im Rettungsdienst. In: Rettungsdienst 32/2009, S. 1052-1056).
  • In einer großen Untersuchung mit dem Titel „Arbeits- und Gesundheitsschutz für Beschäftigte im Rettungsdienst“ befragten Mühlen et al. 06/2005 insgesamt 425 Einsatzkräfte. Dabei gaben 57 % der Befragten schweres Heben und Tragen als Hauptbelastung an (Mühlen et al.: Arbeits- und Gesundheitsschutz für Beschäftigte im Rettungsdienst. In: ErgoMed 06/2005, S. 169-177).
  • In dem Unternehmensreport der Barmer 2011 über den Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wurde festgestellt, dass der Krankenstand des DRK-Rettungsdienstes über den Vergleichswerten der übrigen Versichertengruppen lag. Muskel-Skelett-Erkrankungen waren dabei die häufigste Erkrankungsart mit einem Anteil von 30 % (Allgemeinbevölkerung ca. 21 %) (BARMER, „Unternehmensreport Gesundheit für DRK Rettungsdienst – Arbeitsunfähigkeitsdaten 2011“).
  • 2010 untersuchte Heringhausen den Gesundheitsstatus von 545 Einsatzkräften in acht Bundesländern. Hier waren nahezu 60 % aller Rettungskräfte übergewichtig oder adipös. Im Rahmen einer Untersuchung zum Gesundheitsstatus von 153 Rettungskräften bestimmte Schumann (2012) den BMI (Body-Mass-Index). Aus diesem Kollektiv waren 66 % übergewichtig. Im Vergleich dazu sind 52 % der Gesamtbevölkerung übergewichtig.
  • Nach Erfahrungen der Unfallkasse NRW ist die Bereitschaft der Einsatzkräfte, die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern, eher gering. Des Weiteren ist die Ausstattung mit rückenentlastenden Hilfsmitteln für den Patiententransport momentan noch unzureichend.