Einsatzplanung

RW Einsatzplanung

Abfrage der Rahmenbedingungen am Einsatzort

Bereits bei der Einsatzplanung können entscheidende Weichen gestellt werden, um die Belastung für das Muskel-Skelett-System der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu reduzieren.

Notfalleinsatz:
Bei der Annahme des Notrufs in der Leitstelle sollten neben den bekannten Fragen, wenn möglich, bereits weitere für den Abtransport wichtige Informationen eingeholt werden, z. B.

  • Wie lang ist die Wegstrecke von der Straße/Parkmöglichkeit des Fahrzeugs zum Einsatzort?
  • In welcher Etage befindet sich der Einsatzort?
    • Ist ein Aufzug vorhanden? Wenn ja, ist in diesem der Transport mit einer Trage möglich?
    • Ist ein Schlüssel zur Verlängerung des Aufzugs notwendig, wenn ja, wer hat einen solchen?
  • Treppenhaus: Gibt es besondere Bedingungen wie zum Beispiel eine Wendeltreppe oder sonstige Engstellen?
  • Wie hoch ist das Gewicht der Patientin bzw. des Patienten (ggf. geschätzt)?

Sind diese Informationen bei Einsatzbeginn bereits vorhanden oder werden sie unmittelbar nach Eintreffen der ersten Rettungskräfte an die Leitstelle gemeldet, können parallel zu den medizinischen Erfordernissen weitere Überlegungen angestellt und Entscheidungen bezüglich des Abtransports getroffen werden. So kann dieser später zügig und ohne Zeitverlust vonstattengehen.

Es kommt auch immer häufiger zu Situationen, in denen Patientinnen und Patienten, meistens schwergewichtige Patientinnen und Patienten, nicht über die „normalen“ Wege, wie Flure und Treppenhaus, transportiert werden können.

Dann können zum Beispiel folgende Maßnahmen notwendig werden:

  • Evakuierungsstuhl anfordern, soweit dieser nicht zur Standardausrüstung des Fahrzeugs gehört.
  • Tragehilfe nachfordern (3. oder 4. Person?).
  • Technische Unterstützung durch die Feuerwehr hinzuziehen.
  • Alarmierung einer Drehleiter mit Korb, um die Patientin bzw. den Patienten über einen Balkon / ein Fenster auszuleiten.
  • Bei schwierigen Verhältnissen, die den Einsatz einer Drehleiter nicht zulassen, sollte der Einsatz von Höhenrettern in Betracht gezogen werden (ggf. in Kombination mit einem Kran).

Diese Vorüberlegung nützen nicht nur der Patientin bzw. dem Patienten hinsichtlich eines schnellen Abtransports, sondern vor allem auch den Rettungskräften, da sich hierdurch die Belastung des Muskel-Skelett-Systems deutlich reduzieren lässt, wenn geeignete technische Hilfsmittel zur Verfügung stehen oder zumindest eine ausreichende Anzahl von Personen für die manuelle Lastenhandhabung verfügbar ist.

Man kommt dann bei bestehendem Zeitdruck nicht in die Situation, zu improvisieren und die eigenen Belastungsgrenzen zu überschreiten.

Krankentransport

Hierbei handelt es sich in der Regel um besser planbare Einsätze, die nicht unter erheblichem Zeitdruck wie Rettungseinsätze stehen. Auch hier sollten bei der Transportplanung folgende Fragen geklärt sein:

  • Wie lang ist die Wegstrecke von der Straße/Parkmöglichkeit des Fahrzeugs zum Einsatzort?
  • In welcher Etage befindet sich der Einsatzort?
    • Ist ein Aufzug vorhanden? Wenn ja, ist in diesem der Transport mit einer Trage möglich?
    • Ist ein Schlüssel zur Verlängerung des Aufzugs notwendig, wenn ja, wer hat einen solchen?
  • Treppenhaus: Gibt es besondere Bedingungen wie zum Beispiel eine Wendeltreppe oder sonstige Engstellen?
  • Wie hoch ist das Gewicht der Patientin bzw. des Patienten (ggf. geschätzt)?

Hier können dann, wie auch beim Notfalleinsatz, folgende Maßnahmen notwendig werden:

  • Evakuierungsstuhl mitnehmen, soweit dieser nicht zur Standardausrüstung des Fahrzeugs gehört
  • Tragehilfe einplanen, z. B. Planung des Einsatzes mit einer 2. KTW-Besatzung
  • Technische Unterstützung durch die Feuerwehr hinzuziehen

Soll die nicht gehfähige Patientin bzw. der nicht gehfähige Patient jedoch in ihre bzw. seine Wohnung zurückgebracht werden und befindet sich diese nicht im Erdgeschoss, wird sie bzw. er in der Regel mit dem Tragestuhl/Fahrtrage über das Treppenhaus in das entsprechende Stockwerk getragen. Der Evakuierungsstuhl kann nicht zum Einsatz kommen, da er nur einen Abwärtstransport möglich macht.


Hier ist nun im Rahmen der Maßnahmenhierarchie aus dem Arbeitsschutz (siehe Gefährdungsbeurteilung/TOP-Prinzip) das technische Hilfsmittel „Treppensteiger“ vorzuhalten, welches an alle gängigen Tragestuhl-/Tragesesselmodelle mit wenigen Handgriffen montiert werden kann.

Die physische Belastung „Heben und Tragen“ für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entfällt für diesen Vorgang, da die „Maschine“ dies übernimmt.

Fazit:
Es handelt sich um eine planbare Situation und es gibt zudem ein geeignetes technisches Hilfsmittel. Der Unternehmer hat dadurch die Möglichkeit, eine erhebliche Belastung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu reduzieren – wozu er nach dem Arbeitsschutzgesetz und der Lastenhandhabungsverordnung auch verpflichtet ist.